erich josef
 
Worte zur Zeit
Zufallsworte


...von Menschen


Hoffen, sie kämen auf mich zu

Die Menschen sehen,
wie sie kommen,
während sie gehen.
Auf mich zu?
An mir vorbei.
Weg. Von mir.
Und sich?
Und doch. Auch hoffen,
sie kämen
auf mich zu.

(für alle)




Es is

Du bist du
und i bin i
du mogst mi
so wia i di.

Weu du bist rot
und i bin göb
und er is weiß
und sie ist schwoaz.

Weu du bist groß
und sie ist kla!
Weu er grod want
und i mi gfrei!

Weu wi du bist
konn i nia sei!
Und so wia i
so bist du nie!

Owa wos wir teun,
des is fü mea,
des is so groß,
dass i‘s net siach.

Nua gschbia i‘s
fast riach i‘s.
Es trogt mi,
es hoit mi,
es wü mi
und liabt mi.

Und waun i schdü
wead, und kloa,
daun waß i‘s
es is du
es is i
es is wir.
Es is!

(für uns - Entwurf einer gesellschaftlichen Utopie…)




nicht wollen

du willst nicht
dieses Leben
du willst nicht
deine Bilder
du willst nicht
dein Pferd
du willst nicht
mich
und willst nicht
dich
nicht sie
noch ihn
du willst nicht
wollen
außer das Eine
na Prost

(für dich, Anonyme)





Zuafoi

Fliagn dan
de Wöata nua,
wauns ma
zuafoin,
wia deine Foabm
dia
Drum loss ma‘s ge
und loss ma's foin,
don wean de Wöata und de Foabm
am End
uns beidn gfoin.

(für Kurt)




Taunz duach dei Lem

So bsundas bisd du
und so aundas,
dass i di so monchs Moi
fost goa ned vaschdäh

Weisd bisd wia du bisd
unds gean bisd,
so gschbia is
und wünsch ma,
dass i mi
grod jeds damid ned deisch.

Wosd wüsd, des leansd
und kaunstas,
gaunz schnö,
daun taunzd du
üwas Seu...und…
wieda wünsch i ma‘s
taunzd genau so duach dei Lem.

Wos i schwa nimm,
nimmsd du fedaleichd,
doch monchmoi
do drahd sa si um.

(für Emil)




Mutter

Mutter
empfängt,
schenkt Leben
nährt,
erhält Leben

Du bist ….. Mutter
mein Anfang ?, Wohnung meiner ersten Tage,
bist meine Ewigkeit von neun Monaten,
Grenze meiner Welt, ihr Mittelpunkt, ihr Gegenstand, ihre Fülle
BIST meine Welt

Du bist …. Mutter
erster Trennungsschmerz,
das andere Ende der Nabelschnur,
und wieder ….. Anfang, erstes Bild, erster Ton, erster Geruch der neuen Welt,
ihr erster Mensch

Du bist …... Mutter
liebend – grenzenlos,
bist, was ich unter Liebe verstehe,
was ich über Liebe lerne
und an Liebe erfahre.
Du bist der Beginn des Liebens

Du bist …... Mutter,
erste Übersetzerin einer fremdsprachlichen Welt,
und ihr erstes Abbild, wirst...
mein Vorbild und sein Gegenteil,
bist jetzt der Nabel meiner Welt
und mein Tor zu ihr....
das offen steht ?, versperrt ?

Du bist ….. Mutter
Keim der sorgenden Liebe,
erste Projektionsfläche des heranwachsenden Aufbegehrens.
Du beruhigst mich und regst mich auf,
lehrst mich Vertrauen
erklärst mir das Lieben

Du bist ….. Mutter
die Königin meiner jungen Welt,
mein weiblicher Teil Gottes,
mein erstes Bild von Frau,
erste Geliebte,
mein Sündenbock

Du, Mutter,
lebst vor, erziehst
willst halten, lässt los,
hörst nie auf, Mutter zu sein
Du – BIST - Mutter

(für alle Mütter)




A kuazes Joa

Es woa
a kuazes Joa
fia di – sogsd du
Weu – sogsd du
de Zeid vagehd
jo jezd so schnö
fia di,
sogsd du

(sagt er)







Peter

Es stört mich, Peter,
dass du tot bist.
Es stört mich in meiner Sehnsucht danach,
deiner Leichtigkeit zu begegnen,
und dich,
durch deinen langen und gammeligen Ledermantel hindurch
in meine Arme nehmen, dich umarmen, zu wollen.
Es stört mich, mir deine Brille – rot –
woanders vorstellen zu müssen als in deinem Gesicht, Peter.
Es ist unrasiert und lacht und will wissen.

Es freut mich, Peter,
dass du jetzt weißt,
du hattest unrecht -
mit deinen Würmern
(die uns fressen würden)
und der Nudelsuppe
(auf der wir dahergeschwommen seien)
und dass mir dein Lächeln und deine Wärme
vorausgegangen sind,
und mit dir
von dort
nun um mich schau'n!

(für Peter)




Liböön

Sie fliagd vuabei
und hi zu dia ,
so öfnzoat wia du,
so grea wia deine Augn.
Sie nimd ian Blods
in deine Hoa
und gschbiad,
ob du sie gschbiasd.
Des gleiche mochsd a du
und duasd, ois ob nix wa.
Sie is mei Bruckn hi zu dia,
a Glick grod fia uns zwa.

(für dich)




Wie du sie siehst

so ist die Welt

Wie du sie siehst,
so ist die Welt,
wie er sie sieht,
und du und ich.
Ob wir meinen, sie zerfällt
in Angst und Wut und Krieg und Hass

Wenn du misstraust,
misstraut auch er.
Und was sie hält,
zusammenhält,
sind wir,
sind du und er und ich

Und wenn du glaubst,
so glaubt die Welt,
an sich,
und ihn und dich und mich

Und weil sie lieber lebt,
als fällt,
schenkt sie uns Fülle,
Leid und Lust.
Und du suchst aus,
was dir gefällt

(für uns)






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